Ablauf der Assistenzhund-Ausbildung
Wie läuft eine Assistenzhund-Ausbildung ab?
Die begleitete Selbstausbildung ist in mehrere aufeinander aufbauende Schritte gegliedert. Ziel ist es, Mensch und Hund Schritt für Schritt zu einem sicheren und verlässlichen Assistenzhund-Team zu entwickeln – unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Menschen und des Hundes.
Dabei stehen neben der Ausbildung der benötigten Assistenzaufgaben insbesondere Bindung, Vertrauen, Alltagssicherheit, Kommunikation und das Wohlbefinden des Hundes im Mittelpunkt.
1. Erstkontakt & telefonische Beratung
In einem ersten Telefonat klären wir deine wichtigsten Fragen und schauen gemeinsam, ob ein Assistenzhund grundsätzlich zu deiner persönlichen Situation und deinem Unterstützungsbedarf passen könnte.
2. Bewerbungsformular & erste Bedarfsermittlung
Nach dem Erstkontakt erhältst du ein Bewerbungsformular. Darin beschreibst du deine Vorstellungen und Erwartungen an einen Assistenzhund und welche konkreten Unterstützungsmöglichkeiten du dir im Alltag wünschst.
Außerdem schauen wir uns die persönlichen Voraussetzungen an und prüfen, ob ein Assistenzhund die selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unterstützen kann.
Du hast bereits einen Hund? Dann erhältst du einen separaten Fragebogen, anhand dessen wir zunächst die grundsätzliche Eignung deines Hundes einschätzen.
3. Persönliches Erstgespräch
Nach Prüfung deiner Unterlagen treffen wir uns zu einem persönlichen Erstgespräch – je nach Situation in deiner Region oder bei dir vor Ort.
Dabei besprechen wir deine individuelle Situation, den möglichen Ausbildungsweg, die Auswahl eines geeigneten Hundes sowie Fragen zur Finanzierung und Organisation der Ausbildung.
4. Individuelle Beratung & Ausbildungsplanung
Nun geht es darum, deine individuellen Bedürfnisse und die später benötigten Assistenzleistungen genauer zu betrachten.
Gemeinsam überlegen wir, welche Eigenschaften ein geeigneter Assistenzhund für deine Situation mitbringen sollte und welche Aufgaben später sinnvoll und realistisch sind.
Besitzt du bereits einen Hund, kann dieser nach der ersten Einschätzung gezielt auf seine Eignung überprüft werden. Anschließend erhältst du eine fachliche Einschätzung und eine schriftliche Auswertung.
5. Auswahl eines geeigneten Hundes oder Welpen
Wenn du noch keinen Hund hast, kann ich dich bei der Suche nach einem geeigneten Hund oder Welpen begleiten. Nach Absprache kontaktiere ich beispielsweise Züchter und unterstütze bei der Auswahl und Einschätzung potenzieller Hunde.
Eine Wesenseinschätzung eines Welpen stellt immer nur eine Momentaufnahme dar und kann keine Garantie für die spätere Eignung geben. Sie kann jedoch wichtige Hinweise auf Eigenschaften wie Motivation, Menschenbezogenheit, Reaktionen auf neue Situationen und weitere relevante Verhaltensmerkmale liefern.
Ein Einstieg mit einem geeigneten Welpen kann besonders sinnvoll sein, da wichtige Grundlagen wie Bindung, Sozialisation und Umweltgewöhnung von Anfang an gezielt aufgebaut werden können. Ein Einstieg mit einem bereits vorhandenen Hund ist ebenfalls möglich, sofern die individuellen Voraussetzungen stimmen.
6. Theorieunterricht
Vor der Anschaffung des Hundes oder bei bereits vorhandenen Hunden vor Beginn der (Spezial-) Ausbildung musst du an Theoriekursen teilnehmen. Die Kurse beinhaltet jeweils:
- Haltung, Pflege, Gesundheit und Bedürfnisse
- Ausdrucksverhalten, Kommunikation und Stresssignale
- Lerntheorie, Sozialisierung, Generalisierung und positive Verstärkung
- Besonderheiten der Assistenzhund-Ausbildung, AHundV, Zutrittsrechte und Ausbildungsstandard
7. Grundausbildung & Sozialisation
Nach dem Einzug und einer angemessenen Eingewöhnungszeit beginnt die Grundausbildung.
Gerade bei einem Welpen stehen zunächst Sozialisation, Umweltgewöhnung, Bindungsaufbau und eine sichere Entwicklung im Vordergrund. Der Hund soll die Umwelt in seinem eigenen Tempo kennenlernen und lernen, auch in unterschiedlichen Situationen sicher und entspannt zu bleiben.
Die ersten Lebensmonate dienen nicht der Assistenzarbeit. Sie bilden vielmehr die Grundlage für ein sicheres, belastbares und ausgeglichenes Mensch-Hund-Team. Wir starten entweder mit einem Welpen oder einem bereits vorhandenen Hund.
Deshalb liegt der Fokus zunächst auf:
• sicherem Bindungsaufbau
• Bedürfnisorientierung
• positiver Verstärkung
• Sozialisation ohne Überforderung
• Umweltgewöhnung
• Förderung von Selbstvertrauen
• Aufbau eines gut regulierten Nervensystems
• Ruhe, Resilienz und emotionaler Stabilität
Jeder Hund entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Erst wenn diese Grundlagen gefestigt sind, beginnt die eigentliche Spezialausbildung – entsprechend der gesetzlichen Vorgaben frühestens ab einem Alter von etwa 15 Monaten.
Neben einer guten Familienhundausbildung wird gezielt daran gearbeitet, die Grundlagen für einen späteren Einsatz als Assistenzhund zu schaffen.
Ist bereits ein geeigneter erwachsener Hund vorhanden, wird die Grundausbildung an seinen individuellen Ausbildungsstand angepasst. Je nach Vorerfahrung können einzelne Grundlagen bereits vorhanden sein.
8. Eignungsüberprüfung
Nach Abschluss der Grundausbildung, aber frühestens mit 15 Monaten, und vor Beginn der Spezialausbildung muss der Hund an einer Eignungsüberprüfung teilnehmen. Diese beinhaltet:
- Gesundheitsüberprüfung durch einen Tierarzt
- Eignungsüberprüfung durch einen Assistenzhund-Trainer
Die Gesundheitsüberprüfung führst du selbstständig mit der Anlage in der AHundV mit deinem Hund durch. Die Eignungsüberprüfung führen wir zusammen mit deinem Hund durch. Dabei wird geprüft, ob der Hund die Grundausbildung abgeschlossen hat und bereit für die Spezialausbildung ist und es wird nochmals überprüft, ob der Hund das geeignete Wesen zum Assistenzhund hat. Die Eignungsüberprüfung wird gefilmt und du bekommst eine ausführliche Auswertung.
9. Spezialausbildung
Nach erfolgreicher Eignungsüberprüfung beginnt die individuelle Spezialausbildung. Dabei werden die Assistenzaufgaben aufgebaut, die dein Hund für deine persönliche Situation benötigt.
Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit als Mensch-Hund-Team weiter gefestigt. Ziel ist eine zuverlässige, sichere und bedarfsgerechte Zusammenarbeit im privaten und öffentlichen Alltag.
- Einführung in die Assistenzhund-Arbeit
- Alltagstraining
- Training unter realen Bedingungen
- Aufbau erster Hilfsleistungen
- Standards im öffentlichen Raum
- Individuelle Assistenzaufgaben
10. Prüfungsvorbereitung & Assistenzhund-Teamprüfung
Nach Abschluss der Ausbildung und der entsprechenden Prüfungsvorbereitung erfolgt die Vorbereitung auf die Assistenzhund-Teamprüfung. Welche Prüfung und welche weiteren Schritte erforderlich sind, richten sich nach dem jeweils geltenden rechtlichen Rahmen.
Assistenzhundeverordnung AHundV vom 19.12.2022
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